Vom Hype zur Realität: Was sich auf dem Schweizer Stellenmarkt wirklich ändert

Der Start unserer neuen Xebia Academy-Website bietet die Gelegenheit, über unsere Werte nachzudenken: Fachleuten zu helfen, sich in einer unsicheren und sich schnell verändernden Welt zurechtzufinden. Unser Ziel ist es, mehr als nur die Vermittlung von Kenntnissen anzubieten. Wir wollen Klarheit schaffen in Zeiten des Rummels und der Störung.

Die letzten 18 Monate haben gezeigt, wie schnell sich die Marktdynamik ändern kann. Ganze Sektoren werden umgestaltet und setzen Unternehmen und Einzelpersonen gleichermaßen unter Druck, sich anzupassen. Neue Technologien wie die künstliche Intelligenz sowie regulatorische Veränderungen und globale Unsicherheit veranlassen Unternehmen dazu, ihre Strategien zu überdenken.

In diesem Blog geht es nicht um Vorhersagen, sondern um Überlegungen, die Dir helfen können, zu verstehen, wohin sich die Arbeits- und Lernwelt entwickelt.

1 Dezember, 2025

Bruno Schenk

Leiter der Geschäftsentwicklung

Marktbeobachtung #1: Vom Generalisten zum Nischenexperten

Eine der deutlichsten Veränderungen auf dem Schweizer Arbeitsmarkt ist eine starke Abkehr von breit angelegten Generalistenrollen. Die Unternehmen stellen weniger „Allrounder“ ein und suchen stattdessen nach Personen mit sehr spezifischen, gefragten Fähigkeiten.

Dieser Wandel ist vor allem in der IT- und Beratungsbranche zu beobachten, wo traditionelle Rollen unter dem Druck von Automatisierung und KI schrumpfen. Parallel dazu nehmen gezielte Stellenangebote in daten- und kI-gesteuerten Bereichen zu, unterstützt durch neue akademische Programme, die auf entstehende Qualifikationslücken eingehen.
Unterstützende Signale sind u.a.:

  • 31% Rückgang der IT-Stellenausschreibungen in der Schweiz in H1 2025, angetrieben durch Automatisierung und KI.
  • PwC’s AI Jobs Barometer: Die Zahl der Stellenausschreibungen im Bereich KI hat sich zwischen 2018 und 2022 verzehnfacht, ging 2023 zurück und stieg 2024 wieder auf ~20.000.
  • Universitäten starten CAS-Programme in KI und Digital Business, um entstehende Lücken zu schliessen.
  • Sich schnell entwickelnde KI-Rollen: Die Fähigkeiten in diesen Positionen müssen 66% häufiger aktualisiert werden als in weniger KI-intensiven Jobs, mit einer Netto-Aktualisierungsrate von 138%.

Was ich damit sagen will, ist, dass sich Spezialisierung auszahlt. Die Vertiefung in einem bestimmten Bereich ist nicht mehr optional, sondern unerlässlich für die langfristige Beschäftigungsfähigkeit und die Widerstandsfähigkeit im Beruf.

Marktbeobachtung #2: Versprechen und Wirklichkeit der KI

Künstliche Intelligenz dominiert die Gespräche über die Zukunft der Arbeit, aber ihre Einführung ist alles andere als reibungslos. Viele Unternehmen investieren viel in Pilotprojekte, haben aber Schwierigkeiten, diese gewinnbringend zu skalieren. Eine aktuelle Studie von McKinsey zeigtdie Herausforderung deutlich auf: 42 % der KI-Initiativen werden aufgegeben, bevor sie die Produktionsphase erreicht haben. Das ist ein Anstieg gegenüber 17 % im Vorjahr. Gartner bezeichnet diese Phase als „Tal der Enttäuschung“ – eine Phase, in der überzogene Erwartungen auf frühe Rückschläge treffen, bevor die Technologie ausgereift ist.

In der Schweiz ist die Akzeptanz hoch, aber uneinheitlich, mit einer hohen Akzeptanz, aber auch erheblichen Bedenken:

  • 52% der Schweizer Unternehmen nutzen bereits KI-Agenten, um ganze Geschäftsprozesse zu automatisieren (im Vergleich zu 46% weltweit und 43% in Europa).
  • 86% der Schweizer Arbeitnehmer geben an, KI zu nutzen, doch 76% befürchten, dadurch ihren Arbeitsplatz zu verlieren; 43% sind besorgt über ihre eigene Rolle (EY, 2025).
  • Upskilling gap: Nur 28% der Mitarbeiter sind mit KI-Schulungen zufrieden, obwohl 61% aktiv danach suchen.

Wie wir sehen, liegt die Herausforderung nicht im Erwerb von KI, sondern in ihrer effektiven Skalierung. Der Erfolg hängt von der Entwicklung der notwendigen Fähigkeiten, Strukturen und Lernmöglichkeiten ab, um einen dauerhaften Wert zu schaffen. Die nächsten 12 bis 18 Monate werden entscheidend dafür sein, ob Unternehmen eine echte Transformation erreichen oder in einem Zyklus von festgefahrenen Experimenten gefangen bleiben.

Marktbeobachtung #3: Von der Informationsflut zum umsetzbaren Wissen

Wenn es auf dem Arbeitsmarkt darum geht, wer eingestellt wird, geht es in der täglichen Arbeitsrealität darum, wie Fachleute Informationen nutzen. Und hier verändert KI das Spiel.
KI-Tools generieren Inhalte in grossem Umfang, aber ein Grossteil davon ist generisch. Die Aufgabe für Fachleute besteht darin, die Ergebnisse relevant, kontextbezogen und umsetzbar zu machen. Das erfordert zwei Fähigkeiten:

  • Ausgeprägte Expertise: Hinzufügen von Fachwissen, um KI-Ergebnisse in vertrauenswürdige Informationen zu verwandeln.
  • Informationsaufbereitung: Filtern und Aufbereiten von Wissen, damit die Teams mit Klarheit handeln können.

Ohne diese Fähigkeiten laufen Unternehmen Gefahr, von Inhalten überwältigt zu werden und dabei keinen Mehrwert zu schaffen.
Darüber hinaus zeichnet sich ein neues Risiko ab: die Feedbackschleife „KI lernt von KI„. Da Maschinenmodelle zunehmend KI-generierte Ergebnisse statt von Menschen geschaffenes Wissen konsumieren, wächst die Gefahr:

  • Verwässerung der Originalität: mehr Wiederholungen, weniger echte Innovation.
  • Erosion des Vertrauens: wenn die KI ihre eigenen Fehler verstärkt.
  • Höhere Nachfrage nach menschlichem Fachwissen: Einbringen von Kontext, Kreativität und gelebter Erfahrung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI zwar grosse Mengen an Informationen verarbeiten kann, aber nur der Mensch kann deren Relevanz sicherstellen. Die Gewinner werden diejenigen sein, die die Leistung der KI mit menschlichem Wissen kombinieren und nicht nur mehr, sondern auch bessere Informationen produzieren.

Vier Schritte, um an der Spitze zu bleiben

01

Beginne
Verstehe, was KI kann und was nicht, und wie es auf Deine eigene Rolle zutrifft.

02

Beende
Jage Zertifizierungen um ihrer selbst willen. Zeugnisse sind zwar nützlich, aber der Kontext ist entscheidend.

03

Überwache
Wie Dein Unternehmen und seine Zulieferer die Fortbildung angehen. Anwendungsmodernisierung und KI-Bereitschaft werden in den nächsten zwei Jahren der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit sein.

04

Ändere Deine Denkweise
Versuche nicht, alles zu lernen. Konzentrieren Dich auf das praktische Wissen, das Du in Deinem täglichen Leben anwenden können.

Blick in die Zukunft: Die Überholspur gehört den Kühnen

Die Veränderungen, die wir heute sehen, sind erst der Anfang. In den nächsten zwei Jahren wird sich zeigen, ob Unternehmen schnell genug modernisieren können, um KI in großem Umfang einzusetzen. Für den Einzelnen wird die Herausforderung darin bestehen, schneller, gezielter und zielgerichteter als je zuvor zu lernen.

In einem Arbeitsumfeld, das von Beschleunigung geprägt ist, wird Relevanz die Währung des Erfolgs sein. Schliesslich verlangsamt sich das Tempo des Wandels nicht – es beschleunigt sich. Diejenigen, die vorausschauen, sich spezialisieren und an den Wandel anpassen, werden nicht nur mit dem Markt Schritt halten, sondern ihm voraus sein.

Über Xebia Academy

Wir von der Xebia Academy glauben, dass Lernen der effektivste Weg ist, um den langfristigen Erfolg von Einzelpersonen und Unternehmen zu sichern. Unsere Mission ist es, Fachleuten dabei zu helfen, die Klarheit der Vision und die Fähigkeiten zu entwickeln, die sie brauchen, um in Zeiten des Hypes, des Umbruchs und der Transformation erfolgreich zu sein.

Mit unseren praxisnahen Kursen in den Bereichen KI, Cloud, Cybersicherheit und Führung konzentrieren wir uns auf das, was wirklich zählt: Wissen in Wirkung umzusetzen. Mit unserer neuen Academy-Plattform können Schweizer Fachleute und Organisationen auf geführte Lernreisen zugreifen, die auf die heutigen Geschäftsrealitäten abgestimmt sind.

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